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Waidmannssprache - Steiermärkische Landesforste

Jägerlatein oder Waidmannssprache?

Wer bei „Katze, Bär und Äffchen" an den Tiergarten Schönbrunn und den Alpenzoo Innsbruck denkt oder bei „Schalenwild" an Eier legende Enten oder Gänse – ist noch nie richtig eingetaucht in die spannende Materie einer Fachsprache, die wie kaum eine andere abwechslungsreich, bildhaft, über Jahrhunderte entwickelt und überaus blumig, farbig, facettenreich ist und daher scheinbar nur von einer grünen Elite so richtig beherrscht wird – die Waidmannssprache.

Während ja das Jägerlatein nie von den alten Römern gesprochen wurde, sondern eher an den Stammtischen und Freundesrunden kultiviert wird und hauptsächlich dazu dient, endenarme Geweihe zu veredeln, Schussdistanzen zu erweitern oder eben einfache Jagderlebnisse vom belanglosen Waldspaziergang zur aufregend gefährlichen und einmalig kapitalen Abenteuersafari werden zu lassen, adelt die echte Waidmannssprache jagdlich interessante Tierarten und mit ihnen verbundene Erlebnisse zu „Königen des Waldes", Hochwild oder Edelwild oder etwa verfegte Lärchen, abgebrochene Zweige und Triebspitzen zu „Himmelszeichen".

Einige Kostproben aus der heimischen Fauna (Tierwelt):

Katze, Bär und Äffchen:
Das männliche Murmeltier wird als Bär bezeichnet, das weibliche als Katze und das Jungtier als Äffchen.


Schalenwild:
im Gebirgswald unserer Heimat vorkommende Paarhufer, etwa Rotwild (Hirsche), Rehwild und Gams


Schwarzwild:
immer öfter, auch in Gebirgslagen auftauchende Wildsauen


Ansprechen:
keine freundliche Grußdadresse, sondern das Erkennen und Beurteilen von Wild hinsichtlich Geschlecht, Alter, Zustand und Kopfschmuck


Bartgams:
kein vollbärtiger, alter Bock, sondern ein Gamsbock mit langem, starken Winterhaar am Rücken


Blume:
nicht nur duftendes Verführungsobjekt, sondern weiße Unterseite des Hasenschwanzes


Burg:
nicht nur mittelalterlicher Schutzbau, sondern kunstvoll gefertigter Biberbau aus Holz und Flechtwerk


Geläut:
nicht nur Ministrantendienst am Sonntag, sondern auch Bellen mehrerer auf der Fährte eines Wildes jagender Hunde


Perlen:
nicht nur edles Geschmeide vom edlen Weibe, sondern auch kernförmige kleine Auswüchse am Gehör gutveranlagter Rehböcke


Rauschzeit:
nicht nur heiter frohe Stimmung von Jungmännern, sondern auch Begattungszeit des Schwarzwildes (Ende Oktober bis Mitte Jänner)


Rodeln:
nicht nur olympische Winterdisziplin, sondern die Balz-Laute des Birkhahnes


Schweißarbeit:
nicht nur Dauerlauf in der Mittagshitze, sondern mit tiefer Nase suchender Hund auf der "Blutfährte" des Wildes


Spiegel:
nicht nur unverzichtbares Accessoire schöner Damen, sondern das weiße Hinterteil bei Reh und Hirsch


...so könnte die sprichwörtliche Bildhaftigkeit der Jägersprache noch lange weitergeführt werden, doch wollen wir mit dieser heiteren kleinen Einstimmung als 1. Lektion Geschmack machen, bei einer Führung durch geschulte Berufsjäger im Gesäuse weitere Ausdrücke kennen zu lernen oder dieses Erlernte bei "schönen" Jagderlebnissen anzuwenden.

Aber aufgepasst: „schön", dieses Wort gib’ hinter Schloss und Riegel, - schön ist bei Damen nur der Spiegel!

Forstdirektion Admont +43 (0) 3613 - 2403-0